Die „Rule of One“ im digitalen Zutritt

Digitalisierung, Innovation, PropTech, Schließanlagen, Türzugangssystem

Karsten Nölling • 22. Januar 2026

the rule of one KIWI Blue

Digitale Zutrittssysteme sind so vielfältig wie die Gebäude, die sie sichern. Dennoch lassen sich historisch fast alle Systeme in drei logische Architektur-Kategorien einteilen:

  1. Online (Vernetzt): Jede Tür ist mit einem zentralen Netzwerk verbunden. Rechteänderungen geschehen sofort. Das Medium des Nutzers (Karte, Transponder, Handy) muss keine Updates erhalten.
  2. Offline (Standalone): Zutrittsrechte sind lokal im Schloss gespeichert. Änderungen müssen manuell vorgenommen werden – meist durch einen Techniker mit Laptop oder Programmierkarte vor Ort. Das Nutzermedium bleibt statisch.
  3. Data on Card (Virtuelles Netzwerk): Die Hardware an der Tür bleibt offline, aber der Nutzer muss seinen Schlüssel oder seine Karte regelmäßig an einem zentralen Terminal mit neuen Rechten aufladen. Die Karte fungiert dabei oft als Datenträger, der Informationen vom Terminal zur Tür transportiert. Meist kennt die Karte dabei nur ihre eigenen Rechte, aktualisiert aber keine anderen Berechtigungen und trägt auch keine Daten von der Tür zurück.

Jede dieser Kategorien hat ihren Zweck, aber sie alle verlangen Kompromisse. Online-Systeme erfordern teure Verkabelung oder komplexe Funknetzwerke. Offline-Systeme sind ein Wartungs-Albtraum, da für jede Änderung jemand zur Tür laufen muss. „Data on Card“-Systeme zwingen Nutzer zu Umwegen über Update-Terminals oder zwingen Planer dazu, diese Terminals künstlich in Laufwege zu integrieren (z. B. an der Außenhaut des Gebäudes) – und auch dort dann wieder zu verkabeln oder Funkverbindungen teuer herzustellen.

Jahrelang hat die Branche diese Fragmentierung akzeptiert. Selbst bei ein und demselben Anbieter findet man oft einen verwirrenden „App-Friedhof“ – verschiedene Plattformen und Apps für unterschiedliche Schlösser und Anwendungsfälle.

Wir bei KIWI waren schon immer davon überzeugt, dass diese Trennung überflüssig werden würde. Angetrieben durch das Smartphone – das im Grunde als Gateway fungiert – verschwimmen die Grenzen zwischen diesen drei starren Architekturen. Mit dem erfolgreichen Start unserer Produktlinie KIWI Blue im November 2024 sind wir jetzt vollständig überzeugt: Diese 3 starren Kategorien werden komplett verschwinden.

Wie KIWI Blue zum „One“ wird

KIWI Blue zwingt Sie nicht mehr, eine Architektur zu wählen. Stattdessen verschmilzt es alle drei Ansätze zu einem nahtlosen Erlebnis, das sich der Situation in Echtzeit anpasst:

  • KIWI Blue agiert Online: Wenn das Smartphone des Nutzers an der Tür eine Datenverbindung hat, fungiert das Telefon als mobiles Gateway. Berechtigungen werden bei jeder Türöffnung sofort aktualisiert..
  • KIWI Blue agiert Offline: Für Nutzer mit physischen Transpondern speichert KIWI Blue die Daten lokal an der Tür. Aber anders als bei traditionellen Offline-Systemen werden diese Rechte im Hintergrund automatisch aktualisiert, jedes Mal wenn irgendein Smartphone-Nutzer mit der KIWI App die Tür öffnet (oder auch nur mit ihr interagiert). Kein Techniker ist mehr nötig.
  • KIWI Blue agiert als Data on Card: Öffnet ein Nutzer eine Tür im Keller oder in einem Funkloch, trägt das Telefon die nötige Autorisierung zum Schloss und sendet die Ereignisprotokolle (Logs) zurück an die Cloud, sobald es wieder Netz hat.

Die Zukunft des digitalen Zutritts ist „One“. Eine einzige Zutrittsarchitektur. Eine App für alle Anwendungsfälle. Ein Portal für alle Anwendungen. (Und ja, natürlich wird es auf absehbare Zeit reine „Nur-Karte“-Szenarien geben – wir diskutieren gerne, ob „Hybrid“ hier der technisch korrektere Begriff wäre als „One“, aber die Richtung ist klar).

Vergleich der System-Architekturen

ArchitekturAktion an der Tür (Hardware)Aktion am Nutzer-Gerät (Karte/Fob/Phone)Verantwortlichkeit
OnlineKeine (Updates via Netzwerk/Funk).Keine (Sofortiges Update “Over-the-Air”).System-Admin (Remote)
OfflineHoch (Muss physisch mit Laptop/Masterkarte zur Tür).Keine (Rechte sind im Schloss gespeichert).Geschultes Fachpersonal (Vor Ort)
Data on CardKeine (Schloss lernt von der Karte).*Mittel (Nutzer muss zum Wandleser/Terminal).Endanwender (Manueller Schritt)
One (aka KIWI Blue)Selten (Updates via Smartphone-Gateway).**Keine (Hintergrund-Sync via App).Geteilt / Automatisiert

* Bei einigen Systemen müssen verlorene oder gestohlene Karten explizit auf eine Blacklist gesetzt werden. ** Bei Türen mit sehr geringer App-Nutzung kann je nach Anwendungsfall ein manuelles Update nötig sein.

Karsten Nölling • 22. Januar 2026

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Karsten Nölling

Der Experte für Wohnungswirtschaft Karsten Nölling ist seit September 2016 Vorsitzender der Geschäftsführung der KIWI.KI GmbH. Bereits seit Ende 2014 war er als Vertriebsleiter bei KIWI tätig und Mitglied des Executive Committees. Vor KIWI entwickelte er als Firmengründer einen digitalen Concierge Service für Hotels und war als Head of Operations für das Startup 9flats verantwortlich.

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