Schließ­anlagen für Gewerbe und Woh­nungs­wirt­schaft

Schließanlagen sind für Gewerbetreibende und Unternehmen der Wohnungswirtschaft ein relevanter Kostenfaktor. Bei den Anlagen geht es nicht nur um die Anschaffung, sondern auch um Unterhalt und Wartung. Je nach Anlagentyp fallen finanzieller und personeller Aufwand unterschiedlich aus.

 

Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Schließanlagen es grundsätzlich gibt und welche Anlage-Typen zu welchen Immobilien passen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Welche Schließanlage im Einzelfall die richtige ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, z. B. dem Nutzungsprofil der Immobilie oder auch der Anzahl sowie der Art der Nutzer.
  • Mit dem kostenlosen Entscheidungsbaum auf dieser Seite ermitteln Sie, welcher Schließanlagen-Typ am besten zu Ihnen passt.
  • Womöglich kommt die Umstellung auf ein elektronisches Schließsystem für Sie infrage.

Verschiedene Schließanlage-Arten

Von einer Schließanlage spricht man, wenn mit einem Schlüssel mindestens zwei Türen geöffnet werden können. Ist für jede Tür ein eigener Schlüssel vorhanden, spricht man von einer Einzelschließung.

 

Unterschieden wird zwischen einer Zentralschlossanlage, einer Hauptschlüsselanlage, einer Zentral-Hauptschlüsselanlage und einer General-Schlüsselanlage.

Zentralschlossanlage (auch: Z-Anlage)

Sämtliche Personen, die bei einer Zentralschlossanlage einen Schlüssel besitzen, können mit diesem einen Schlüssel sowohl Haupteingangs- und Kellertüren öffnen als auch weitere Einzeltüren wie zum Beispiel Wohnungstüren. Während sich die Haupttüren von sämtlichen Schlüsseln der Anlage öffnen lassen, ist das Öffnen von Einzeltüren allerdings nur mit jenen Schlüsseln möglich, die vorab dazu freigeschaltet wurden. Schlüsselinhaber können in einem Mietshaus die Türen von Nachbarwohnungen also nicht öffnen.

 

Zentralschlossanlagen kommen zum Beispiel in Mietshäusern und WEG-Immobilien zum Einsatz.

Schließanlage
Schließanlage

Hauptschlüsselanlage (auch: HS-Anlage)

Bei einer Hauptschlüsselanlage können sämtliche Türen mit einem einzigen Schlüssel geöffnet werden. Dies gilt dann nicht nur für Eingangs- und Kellertüren, sondern auch für alle weiteren Türen. Türen, die nicht von allen Personen geöffnet werden sollen, erhalten in der Praxis einen extra Schließzylinder. Diese Türen gehören dann nicht zur Hauptschlüsselanlage.

 

Neben Mietshäusern und WEG-Immobilien werden Hauptschlüsselanlagen häufig in Schulgebäuden genutzt.

Zentral-Hauptschlüsselanlage (auch: Z/HS-Anlage)

Eine Zentral-Hauptschlüsselanlage ist im Prinzip eine Kombination aus den beiden zuvor genannten Anlagen, also der Zentralschlossanlage und der Hauptschlüsselanlage. Eine zentrale Tür kann mit sämtlichen Einzel-Schlüsseln des Systems geöffnet werden. Zusätzlich gibt es einen zentralen Schlüssel, mit dem sowohl das Zentralschloss als auch alle weiteren Türen geöffnet werden können.

 

Einsatzgebiete für Zentral-Hauptschlüsselanlagen sind zum Beispiel Hotels, in denen die Hotelgäste Zugang zu sowohl zentralen Türen (zum Beispiel Eingangstüren) als auch zu ihren Hotelzimmern haben müssen. Hotelangestellte benötigen wiederum Zutritt sowohl zu sämtlichen zentralen Türen als auch zu allen Hotelzimmern.

Schließanlage
Schließsystem

General-Hauptschlüsselanlage (auch: GHS-Anlage)

Die General-Hauptschlüsselanlage ist hierarchisch aufgebaut, das bedeutet, dass es auf erster Ebene einen General-Schlüssel gibt, mit dem sich sämtliche Türen des Systems öffnen lassen, und auf zweiter, dritter und vierter Ebene weitere Schlüssel, die entsprechend ihrer Hierarchie nur beschränkte Zugriffsrechte haben.

 

Das Prinzip der GHS-Anlage lässt sich an einem Beispiel einer Firma gut erklären. Man stelle sich ein Unternehmen vor, in dem es einen Geschäftsführer gibt, vier Abteilungsleiter und pro Abteilung noch einmal 8 einfache Angestellte mit jeweils einem eigenen Büro. Der Geschäftsführer kann mit seinem Schlüssel – dem Generalschlüssel – sämtliche Türen des Unternehmens öffnen, also nicht nur das eigene Büro, sondern auch die Büros der Abteilungsleiter sowie die Büros der einfachen Angestellten. Die Abteilungsleiter können mit ihren Schlüsseln ihre eigenen Büros öffnen sowie die Büros der Angestellten, die zu ihrer Abteilung gehören. Das Büro der Geschäftsführung, die Büros der anderen Abteilungsleiter sowie deren Angestellten-Büros bleiben verschlossen. Die einfachen Angestellten haben mit ihren Schlüsseln wiederum lediglich Zugriff auf ihre eigenen Bürotüren.

Welche Schließanlage passt zu Ihrer Immobilie?

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Kosten einer Schließanlage

Die Kosten lassen sich für eine Schließanlage nicht pauschal beziffern. Maßgeblich sind u. a. die gewählte Sicherheitsstufe, die Anzahl der zugehörigen Türen und auch die Art der Schließanlage (s. obiger Abschnitt).

Schließplan für eine Schließanlage

In einem Schließplan einer Schließanlage wird zum Beispiel festgehalten, welche Türen mit welchen Schlüssel zu öffnen sind sowie wem welcher Schlüssel ausgehändigt wurde. Bei Immobilien mit zahlreichen Türen und verschiedenen Schlösser-Bauarten ist es mitunter notwendig, ein computergestütztes Managementsystem für die Schlüsselverwaltung zu nutzen.

 

Ein Beispiel.

 

Im unten stehenden Schließplan-Beispiel gibt es sechs Schlüssel-Typen: s. Spalte “Schlüssel-Nummer”. Haupt- und Hintereingang können mit einem Schlüssel geöffnet werden, ebenso wie Lager und Garage. Für alle weiteren Türen ist jeweils ein eigener Schlüssel notwendig.

 

(Nutzer von mobilen Geräten drehen für eine optimale Ansicht der Tabelle ihr Gerät.)

TürbezeichnungSchlüssel-No.GeschäftsführerSekretärinAngestellter
Haupteingang1XXX
Hintereingang1XXX
Bürotrakt2XXX
Büro 13XX
Sekretariat4XX
Büro Geschäftsführer5X
Pausenraum2XXX
Lager6XXX
Garage6XX

 

Der Geschäftsführer besitzt einen Schlüssel zu jeder Tür, die Sekretärin hat keinen Schlüssel für das Büro des Geschäftsführers und das Büro 1, das vom Angestellten benutzt wird. Dieser hat wiederum ebenfalls kein Zutrittsrecht für das Büro vom Geschäftsführer sowie für das Sekretariat. Da der Angestellte kein Fahrzeug aus der Garage nutzen muss, hat er für diese ebenfalls keinen Schlüssel.

 

Sämtliche Änderungen müssen im Schließplan festgehalten werden, wenn zum Beispiel ein neuer Mitarbeiter zum Unternehmen stößt oder eine Person einen weiteren Schlüssel erhält. Je nach Größe der Immobilie, nach Anzahl der Türen und nach Anzahl der beteiligten Personen kann der Schließplan unterschiedlich komplex ausfallen – das Schlüsselmanagement fällt dann ausgesprochen aufwändig aus.

 

Spätestens wenn es um die Erstellung eines Schließplans geht, kommt für Hausverwalter eine alternative Lösung zu einer klassischen Schließanlage infrage – beachten Sie den folgenden Abschnitt.

 

Beachten Sie auch unseren Beitrag zum >> Schließanlagen-Konfigurator.

Alternative: die elektronische Schließanlage

Bei einer elektronischen Schließanlage werden mechanische Schlüssel durch elektronische Zugriffsmedien ersetzt wie zum Beispiel Transponder oder Smartphone-Apps. Für den Betreiber hat dieses mehrere Vorteile, in erster Linie für das Schlüsselmanagement, die laufenden Kosten und die Sicherheit. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag >> Schließanlage planen.

Schlüsselmanagement einer elektronischen Schließanlage

Das Schlüsselmanagement ist bei einer elektronischen Schließanlage mit einem deutlich geringeren Aufwand verbunden. Ein klassischer Schließplan ist überflüssig – das Schlüsselmanagement wird inklusive der Dokumentation über ein Computerprogramm durchgeführt.

 

Welche Personen welche Zutrittsrechte haben, kann der Verwalter am Computer kontrollieren, mit dem er zugleich die Zutrittsrechte der Schließanlage verwaltet. Zutrittsrechte können direkt am PC vergeben und bei Bedarf wieder entzogen werden, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder ein Handwerker seine Arbeit in den Räumen des Unternehmens beendet hat und keinen Zutritt mehr benötigt.

 

Vor-Ort-Termine direkt an der Immobilie fallen für die Verwaltung weg: Neue Mieter können die Immobilie umgehend betreten, wenn sie sich eine Smartphone-App herunterladen und installieren. Sollten Transponder oder Sicherheitskarten benötigt werden, können diese zu einem späteren Zeitpunkt übergeben oder bei Bedarf per Post verschickt werden. Aktiviert werden die Transponder dann erst vor Ort, vom Empfänger, so dass der Postweg kein Sicherheitsrisiko darstellt.

 

Sollten Dienstleister wie zum Beispiel Handwerker oder Versorger kurzfristig Zutritt benötigen, können Türen vom Verwalter aus der Ferne geöffnet werden. Auch in diesem Fall ist eine An- und Abfahrt zur Immobilie für den Verwalter nicht notwendig – die Zeitersparnis ist, je nach Entfernung, beachtlich.

Laufende Kosten einer elektronischen Schließanlage

Durch den deutlich geringeren Aufwand im täglichen Schlüsselmanagement fallen die laufenden Kosten entsprechend geringer aus. Größere Hausverwaltungen mit großen und komplexen Verwaltungsbeständen verzeichnen hier eine Ersparnis von bis zu 80 Prozent. Neben dem geringeren Zeitaufwand im Office können zahlreiche Termine vor Ort gestrichen werden, die mit einem personellen Aufwand verbunden sind. Zudem entfallen Anschaffung und Unterhalt von Schlüsselschränken.

 

Bei der Bestellung und Verwaltung von Zweitschlüsseln fallen personeller und finanzieller Aufwand ebenfalls geringer aus. Weitere Zutrittsrechte können per Mausklick vergeben werden, die neuen Zutrittsrechte werden automatisch im System gespeichert.

 

Beim Verlust eines Transponders muss kein Zylinder ausgetauscht werden. Das Gerät wird deaktiviert und kann bei Bedarf wieder aktiviert werden.

Sicherheit

Elektronische Schließanlagen sind grundsätzlich sicherer als herkömmliche mechanische Anlagen. Die elektronischen Anlagen erfüllen zum Teil internationale Sicherheitsstandards, die zum Beispiel auch bei Bankkarten zum Einsatz kommen. Unbefugte haben praktisch keine Möglichkeit, das Sicherheitssystem zu umgehen.

 

Beim Verlust eines Transponders kann das Gerät umgehend deaktiviert werden, so dass potentielle Finder den Transponder nicht nutzen können. Die Schließanlage ist ab dem Zeitpunkt der Deaktivierung also wieder vollständig sicher – bei einem mechanischen Schließsystem müssten dafür erst sämtliche Schließzylinder ausgetauscht werden, die mit dem verlorenen Schlüssel bedient werden können.

Sie denken über eine Umrüstung Ihrer Schließanlage auf ein elektronisches System nach, sind sich aber unsicher, ob Sie in punkto Sicherheit alles bedacht haben? Hier können Sie sich eine praktische Checkliste direkt als PDF-Dokument herunterladen.

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