Interview-Nassauische-Heimstätte-Wohnstadt

Digitale Services konsequent aus Mietersicht betrachten

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Als Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft des Landes Hessen kann die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt auf eine bald 100-jährige Geschichte zurückblicken. Bei der Bewirtschaftung ihrer rund 60.000 Wohnungen nutzt sie zunehmend digitale, auf die Bedürfnisse der Mieter zugeschnittene Technologien. Dr. Sven Groth, Leiter des Kompetenzcenters Unternehmensentwicklung, spricht über das Potenzial digitaler Anwendungen, zu denen auch das schlüssellose Türzugangssystem von KIWI gehört.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Innovationsförderung ist aktiver Bestandteil des Leitbildes der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt.
  • Gemeinsam mit dem Start-Up Accelerator hubitation veranstaltete die Unternehmensgruppe einen Wettbewerb, um den Austausch mit innovativen PropTechs zu stärken.
  • Die Mieterapp “mittendrin” und das digitale Türzugangssystem KIWI sind Beispiele für Digitalisierungsprojekte, die die Unternehmensgruppe derzeit umsetzt.

 

1. Der Kernauftrag der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt ist seit ihrer Gründung unverändert: bezahlbaren Wohnraum für Haushalte mit mittleren und unteren Einkommen zur Verfügung zu stellen. Herr Dr. Groth, welche Rolle spielen vor diesem Hintergrund Innovationen für Ihr Geschäftsmodell?

Innovation entsteht immer als Antwort auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit. In den 1950er und 60er Jahren wurde angesichts des bestehenden Wohnraummangels das serielle Bauen vorangetrieben, das jüngst wieder eine Renaissance erlebt. In den 2000er Jahren haben wir ein umfassendes Sozialmanagement als langfristige Investition in eine zufriedene und stabile Mieterschaft aufgebaut. Heute zählen zu unseren wichtigsten zu lösenden Aufgaben die Anpassung unseres Wohnungsbestands an Klimaschutzziele und die Alterung der Gesellschaft sowie die aktive Gestaltung von Digitalisierungsprozessen rund um das Thema Wohnen. Häufig sind es gerade solche Querschnittsthemen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung, die neue Sicht- und Herangehensweisen und damit innovative Lösungen fördern.

 

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2. Laut einer aktuellen Studie des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft ZIA nutzen 94 Prozent der befragten Unternehmen digitale Lösungen zur Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse, 91 Prozent streben mittels digitaler Anwendungen eine Entwicklung oder Erweiterung ihrer Geschäftsmodelle an. Wo sehen Sie das Potenzial der Digitalisierung für die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt?

Dass wir digitale Anwendungen zur Modellierung und Optimierung unserer internen Geschäftsprozesse einsetzen, ist selbstverständlich und dementsprechend als Thema fest gesetzt. Was für uns jedoch unter strategischen Gesichtspunkten besonders spannend ist, ist die Fülle neuer Produkte und Dienstleistungen, die derzeit auf digitaler Basis rund um die Immobilienbewirtschaftung entstehen. Anbieter sind meist branchenfremde Entwickler und Startups, die mit einem frischen Blick auf konventionelle Prozesse der Immobilienwirtschaft schauen. Wir erleben den Austausch und die Zusammenarbeit mit diesen PropTechs als sehr befruchtend für die Weiterentwicklung unserer eigenen Geschäftsfelder. Es ist daher kein Zufall, dass die Unternehmensgruppe in diesem Jahr mit hubitation einen Startup-Wettbewerb rund um innovative Lösungen für das Immobilienmanagement ins Leben gerufen hat. Praktisch alle Teilnehmer haben in ihren Wettbewerbsbeiträgen Kernthemen der Wohnungswirtschaft in intelligente Digitallösungen übersetzt. Das Potenzial solcher Anwendungen ist beträchtlich und reicht von der effizienten Bestandsverwaltung über Energieversorgung sowie die Kontrolle und Steuerung von Gebäudetechnik bis hin zu unser Kerngeschäft ergänzenden Services für die Mieter.

 

3. Welche Digitalisierungsprojekte befinden sich bei der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt aktuell in Planung? Was sind die Kriterien dafür, dass Sie ein Projekt umsetzen?

Nassauische-Heimstätte-Wohnstadt_App

Die Einführung digitaler Anwendungen ist immer auch eine Investitionsabwägung. Wir setzen Digitalisierungsprojekte jedoch in der Regel eher „agil“ um. Das bedeutet für uns, wir testen neue Anwendungen zunächst in zeitlich und räumlich begrenzten Pilotprojekten und nutzen die daraus gewonnenen Erfahrungswerte für individuelle Anpassungen, bevor wir ein solches Produkt dauerhaft im Gesamtbestand ausrollen. Dies gilt umso mehr, wenn unsere Mieter direkte Nutzer einer digitalen Anwendung sind. Aktuelle Beispiele sind unsere Mieter-App “mittendrin” auf Basis der Technologie von “Allthings” sowie die Möglichkeit zum Begleichen von Miete und Kaution an der Supermarktkasse mittels der App “Barzahlen”. Die schlüssellose Zugangsverwaltung von KIWI erproben wir gerade in einigen unserer Quartiere. Wichtige Kriterien für die Umsetzung sind die Kompatibilität mit unseren Systemen und Prozessabläufen, Datensicherheit selbstverständlich, Zeit- und Kostenersparnis sowie der funktionale Gewinn für die Nutzer und unser Unternehmen.

 

4. Warum hat sich die Unternehmensgruppe zum Aufsetzen eines Pilotprojekts mit KIWI entschieden?

Das schlüssellose Zugangssystem KIWI ist ein gutes Beispiel für eine digitale Anwendung, von der Mieter und Unternehmen gleichermaßen profitieren können. Wir testen die sensorgesteuerte Schließanlage seit Juli 2018 in einem unserer Quartiere in Darmstadt und möchten von unseren Mietern wissen, ob die Türöffnung mittels KIWI Transponder von ihnen als Komfortgewinn wahrgenommen wird. Wichtig ist uns insbesondere die Frage, ob auch unsere älteren Mieter mit dem digitalen Türöffner zurechtkommen und das System annehmen. Ein weiteres wichtiges Argument für das Pilotprojekt mit KIWI liegt in der individuell zu steuernden Zugangsberechtigung für einzelne Gebäudetüren oder ganze Häuserzeilen, was die Nutzung insbesondere für unsere Kundenbetreuer, Techniker sowie die Haus- und Siedlungsbetreuer attraktiv macht. Nicht zuletzt können wir aus der Ferne den Hauszugang freigeben, was die Zusammenarbeit mit Dienstleistern und Handwerkern erleichtert und zeitaufwändige Anfahrten zum Objekt überflüssig machen.

 

5. Gibt es bereits Rückmeldungen der KIWI Nutzer? Wie sind die bisherigen Erfahrungen der Unternehmensgruppe mit der Einführung von digitalen Mieterservices?

Die bisherigen Rückmeldungen zu KIWI fallen durchweg positiv aus. Der Komfortgewinn ist offensichtlich, vor allem, wenn man mit Einkaufstaschen oder Paketen in der Hand auf die lästige Schlüsselsuche verzichten kann. Nach Abschluss der Testphase im Frühjahr 2019 wird sich zeigen, ob die dann kostenpflichtige Nutzung von KIWI durch die Mieter angenommen wird.

Nassauische-Heimstätte-Wohnstadt-&-KIWI

 

Grundsätzlich begrüßen unsere Mieter die Erweiterung unseres Serviceangebots durch digitale Anwendungen, sofern sie ein Plus an Flexibilität, 

Funktionalität und Zeitersparnis mit sich bringen. Die Einführung digitaler Geschäftsprozesse verläuft auch deshalb weitgehend problemlos, weil eine enge Betreuung durch unsere Mitarbeiter in den Regional- und Servicecentern gewährleistet ist. Die Mieter haben also immer die Wahl, ob sie ihr Anliegen digital abwickeln oder im persönlichen Kontakt mit einem Kundenbetreuer besprechen möchten. Aus unserer Erfahrung ist es erfolgsentscheidend, dass digitale Anwendungen konsequent aus Nutzersicht betrachtet werden. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. In der richtigen Balance zwischen Mensch und Technologie eröffnet sie uns aber spannende Perspektiven für das Wohnen von morgen.

 

 

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Nassauische Heimstätte Wohnstadt & KIWI

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Dr. Sven Groth ist Leiter des Kompetenzcenters Unternehmensentwicklung der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt sowie Verantwortlicher für die Digitalisierungsstrategie der Wohnungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft.

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