“Die Wohnungswirtschaft braucht Positiv-Beispiele!” – Sarah Schlesinger und Karsten Nölling zum KIWI-Hackathon auf der REAL PropTech 2021

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Die Digitalisierung der Wohnungswirtschaft nimmt Fahrt auf: Die Zahl der PropTechs im deutschsprachigen Raum steigt, für fast jedes Gewerk eines Mehrfamilienhauses sind digitale Lösungen erhältlich.

Um der Innovationskraft weiter Vortrieb zu geben, findet auch in diesem Jahr der KIWI Hackathon im Rahmen der REAL PropTech 2021 statt. Sarah Schlesinger, Managing Director von blackprint, dem Veranstalter der REAL PropTech, und Karsten Nölling, CEO von KIWI, erklären im Interview, warum das Event so wichtig ist – und was in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr anders ist.

Karsten, nach der Premiere des KIWI-Hackathons auf der REAL PropTech im letzten Jahr gibt es nun die zweite Auflage des Events. Um gleich mal das Fundamentalste zu klären: Was genau ist eigentlich ein Hackathon?

Karsten Nölling: Ein Hackathon ist vor allem ein kreatives Experiment. Der Begriff ist aus den Worten Hacken und Marathon zusammengesetzt und es geht darum, anfassbare Lösungen für konkrete Aufgaben in gemischten Teams in kurzer Zeit zu entwickeln. Es gibt verschiedenen Formen und Spielarten und auch die Dauer variiert – das Coden ist selbstverständlich immer ein wichtiger Bestandteil.

Letztlich ist ein Hackathon ein tolles Format, um zusammen an konkreten Aufgaben zu arbeiten und Lösungen zu entwickeln, auf die man alleine nicht kommt – und dabei auch noch Spaß zu hat.

Warum habt ihr euch für eine Neuauflage entschieden?

Sarah Schlesinger: Ein Hackathon eignet sich hervorragend, um in knackiger Wettbewerbsform innovative Ideen zu einer oder mehreren vorgegebenen Challenges zu entwickeln. Klassischerweise wurde die Methode Anfang des Jahrtausends zur kollaborativen Entwicklung von Hard- und Software Anwendungen durch Industrieunternehmen und Kapitalgeber genutzt. Als Karsten im Coronajahr 2020 mit der Idee kam, einen Coding-Hackathon aufzusetzen, war das blackprint Team sofort Feuer und Flamme.

Karsten: Das erste Hackathon-Experiment letztes Jahr war ein voller Erfolg und hat allen viel Spaß gemacht. Und noch wichtiger: Wir glauben, dass die Branche weiterhin mehr Berührung zu Technologie und neuen Geschäftsmodellen braucht. Und dafür ist die Hackathon ein tolles Format.


>> Zum Bericht über den Hackathon 2020 (inkl. Bildergalerie) geht es hier entlang, ein Interview mit dem Siegerteam der Datatrain GmbH gibt es hier.


Sarah: Bei früheren Hackathon-Erfahrungen habe ich live miterlebt, wie ein externes, sozial vielfältiges Teilnehmerfeld völlig neue Aspekte und Ideen zur Briefing-Problemstellung auf den Tisch legte. Manches muss erst erlebt werden, bevor der Wert zu schätzen gelernt ist. Als Best-Practice-Beispiel dafür, dass Innovation Spaß macht und gleichzeitig wertvolle Ergebnisse produzieren kann, ist ein Hackathon sensationell geeignet.

Und wie beim Hackathon: Die besten Ideen entstehen im Team und weil coole Leute voller Leidenschaft gemeinsam eine Sache vorantreiben. Das gilt auch für das KIWI- und blackprint-Team und die beiden Projekte, die zusammen mehr sind als die Summe der Einzel-Events. Team rocks!

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Wie entstand die Idee, den KIWI Hackathon mit der REAL PropTech zu kombinieren?

Sarah: Die REAL PropTech hat als Fachkonferenz die Zielsetzung, Impulse und Inspiration für die Zukunftsfähigkeit unserer Branche zu setzen und Lust auf Innovation zu machen. Ein Hackathon bringt mit agiler Methodik und Teamspirit Innovationspower in kurzer Zeit auf die Straße. Insbesondere auch für die Wohnungswirtschaft braucht es solch starke Positiv-Beispiele, wie es gehen kann und mit welchen neu gedachten, neu gemachten Wegen altbekannte Probleme gelöst werden können. Die REAL PropTech steht an der Schwelle zwischen etablierter und Tech-Unternehmenswelt, um beide Seiten enger zusammenwachsen zu lassen. Durch die Verbindung mit dem KIWI-Hackathon kann diese Verbindung noch enger geknüpft werden.

Karsten: Die REAL PropTech als führende Innovations-Konferenz ist der ideale Rahmen für einen Hackathon. Hier kommen die richtigen Leute zusammen und wir können Technik und Geschäftsmodelle zum Anfassen und Mitmachen zeigen. Also nicht nur über Innovation und Digitalisierung reden, sondern einfach machen. Das ist also die ideale Kombination.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es ja ein paar grundlegende Änderungen im Wettbewerbsmodus. Wie habt ihr das Hackathon-Format weiterentwickelt?

Sarah: Es wird mehrere Challenges geben. Konzeptionell haben wir uns an das Leitmotiv der REAL PropTech angelehnt: Technologien und Geschäftsmodelle. Während im letzten Jahr der Fokus des KIWI-Hackathons auf dem Coden lag, steht dieses Jahr den Teams frei, ob sie ihre Ideen in programmierter Form, als Geschäftsmodell-Konzeption oder eine Mischung von beidem entwickeln. Abgesehen davon wird der Anreiz dabei zu sein höher: Es gibt für die Teams ein attraktives Preisgeld zu gewinnen.

Karsten: Die wichtigste Änderung ist, dass es neben dem reinen Coden auch einen Business-Case-Hackathon mit eigenem Teams gibt. Zum einen haben wir letztes Jahr festgestellt, dass gerne auch Leute ohne Coding-Knowhow mitgemacht hätten – auch aus unserem eigenen Team. Zum anderen merken wir unverändert, dass das Nachdenken und Einführen neuer Geschäftsmodell in der Immobilienbranche noch immer ausbaufähig sind. Wer zahlt eigentlich was an wen, wenn man z. B. digitalen Zutritt in eine Mieterapp integriert? Und wo landen welche Daten? Von diesen Fragen gibt es sehr viele und alle Beteiligten müssen hier eine natürliche Denkweise finden. Auch hier wollen wir also Hürden abbauen und das Neue anfassbar machen. Wir erweitern das Experiment Hackathon.

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Warum ist ein Event wie der KIWI-Hackathon gerade jetzt so wichtig?

Sarah: Die Offenheit der Immobilienwirtschaft für Digitalisierung ist endlich hoch genug, so dass sich Corporates und PropTechs auf Augenhöhe und mit realistischen Erwartungen begegnen. Durch den Hackathon, bei dem die Teilnehmer  während der Konferenz im wahrsten Sinne des Wortes den „Hackenden“ über die Schulter schauen können, werden Ängste oder Hemmungen bei etablierten Unternehmensvertretern, was Berührungspunkte mit Technologie und neuer Geschäftsmodellentwicklung angeht, abgebaut. Mehr noch: Durch das Realisieren, wie einfach und schnell Probleme aus neuer Perspektive betrachtet und Lösungsansätze entwickelt werden können, trägt das positive Erleben und quasi „Anfassen“ zum notwendigen Change im Kopf, zu mehr Digital Mindset und mehr Mut, etwas auszuprobieren, bei.

Karsten: Wir sehen die Anfänge dessen, was kommen wird. Digitalisierung in der Branche ist noch immer eine zarte Pflanze, aber die Entwicklung ist in wichtigen Teilen absehbar. Sowohl die PropTechs als auch die etablierten Unternehmen sind raus aus dem Labor und den Pilot-Versuchen und im Machen und teilweise im Ausrollen. Man kann also sagen: Es wächst langsam, aber sicher zusammen, was zusammengehört. Immobilien und Digitalisierung. Dieser Prozess muss gerade jetzt weiter von allen Seiten gefördert werden.

Ihr seid ja beide keine Neulinge im Bereich Digitalisierung, im Gegenteil. Habt ihr bereits Erfahrung mit Hackathons?

Sarah: 2019 haben wir zusammen mit dem Digital Hub Cologne und dem HackInstitute den 1. PropTech Hackathon in Deutschland organisiert als Business Development Hackathon mit spannenden Challenges von ISD und techem. Teilnehmen konnten Einzelpersonen oder Teams und über ein Wochenende Ideen kreativ, technisch brillant, unkonventionell und schnell entwickeln. Entstanden sind ein Baustellenroboter, ein digitaler Concierge-Service, ein Hausbau-Konfigurator, Gamification Tools rund um Verbräuche zur Energieeinsparung & Co. Die Ergebnisse waren beeindruckende Inspiration und haben wertvolle Impulse geliefert, die der ein oder andere Juror mit ins eigene Unternehmen zurücktragen konnte.

Karsten: Der erste KIWI-Hackathon auf der REAL PropTech 2020 war unser erstes – sehr erfolgreiches – Hackathon-Experiment zusammen mit den etablierten Anbietern von ERP und Software für die Wohnungswirtschaft, Promos und Datatrain, und dem PropTech Wohnungshelden. Das hatten allen viel Spaß gemacht und wir konnten die „Hacks“ im Rahmen von Kundenprojekten auch zum Teil weiterentwickeln, was natürlich besonders schön ist.

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Worauf dürfen wir uns freuen? Und was erhofft ihr euch?

Sarah: Genau dieses Wecken von Lust, Begeisterung und Freude, das zurück ins eigene Unternehmen getragen wird – und hoffentlich ansteckend wirkt. Mit agilen Methoden und ganz besonders einem Hackathon lässt sich die Innovationskraft steigern. Neue Sichtweisen führen zu ungeahnter Anzahl und Qualität von neuen Lösungen. Während die Durchführung relativ einfach und ressourcenschonend ist, ist die Kreativität der „Hacker“ häufig unbezahlbar. Idealerweise wollen mehr Unternehmen Innovationen schaffen, um Problemlösungen zu erarbeiten, zur Image- und Markenbildung oder um neue Talente zu rekrutieren, indem sie sich selbst auf einen Hackathon, ob intern der auch extern, einlassen. Dafür stehen wir gern Gewehr bei Fuß und organisieren die Umsetzung. Und für all diejenigen, die sich jetzt noch nicht herantrauen, freuen wir uns auf die nächste gemeinsame Runde mit dem KIWI Hackathon in 2022.

Karsten: Tolle neue Lösungen, viel Spaß mit neuen Leuten und alten Bekannten und ein weiterer kleiner Schritt zu weniger Berührungsängsten vor Code und neuen Geschäftsmodellen für die Branche.

Über die REAL PropTech

Wie werden innovative Technologien die Bau- und Immobilienwirtschaft verändern? Welche grundlegenden Umwälzungen bringen neue ESG-Regulatorik und frisches Wagniskapital mit sich? Und welche Geschäftsmodelle sind wirklich zukunftsfähig?

Auf der REAL PropTech 2021, der Zukunftskonferenz unserer Branche, denken wir gemeinsam mit Euch die Bau- und Immobilienwirtschaft neu und lassen die relevanten Akteure und Entscheider zu Wort kommen. Die kleinen und die ganz großen, Neue und Bekannte – Menschen, die sich kluge Gedanken über unsere Branche 2030 machen und sie aktiv mitgestalten.

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