GdW-Geschäftsführerin Esser im KIWI-Interview: “Wir brauchen eine digitale Gebäude-Grundausstattung!”

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Die Wohnungswirtschaft befindet sich in einem Umbruch. Die Digitalisierung ist bereits in vollem Gange – wenn auch nicht in der gesamten Branche. Einige Wohnungsunternehmen warten weiterhin ab und setzen nach wie vor auf analoge Prozesslösungen.

Die Kolleginnen und Kollegen bei KIWI, die engen Kontakt zu den Wohnungsunternehmen haben, stellen immer wieder fest, dass häufig die Frage im Raum steht: Wie rechne ich eine digitale Lösung eigentlich mit den vorhandenen analogen Lösungsprozessen gegen? Und mit welcher Lösung beginne ich überhaupt die Digitalisierung des eigenen Unternehmens – besonders auch in Hinblick auf künftige Geschäftsmodelle?

Im Interview mit Ingeborg Esser, der Hauptgeschäftsführerin des GdW, versucht KIWI-CEO Karsten Nölling herauszufinden, wie der aktuelle Stand der Digitalisierung in der Branche aussieht. Und wie der GdW, mit über 3.000 Mitgliedsunternehmen der größte Verband der Wohnungswirtschaft, der Unsicherheit der Branche entgegentritt und aktiv den Transformationsprozess begleitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Darum tun sich einige Wohnungsunternehmen mit der Digitalisierung schwer, während andere bereits große Fortschritte machen.
  • Mit diesen Initiativen hilft der GdW den Mitgliedsunternehmen beim Transformationsprozess.
  • Diese Geschäftsmodelle kommen für “digitalisierte” Wohnungsunternehmen künftig infrage.
  • So sieht in zehn Jahren ein voll digitalisiertes Wohngebäude aus.

Karsten Nölling: Die Wohnungswirtschaft gilt als sehr stabil, das zeigt sich auch in der Corona-Krise. Die Branche ist ein riesiger Anker der Stabilität – was zum einen toll ist, was gleichzeitig aber auch für ein geringes Tempo und eine konservative Grundhaltung steht. Das ist gerade in der Digitalisierung ein Hemmnis.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Branche mit Blick auf die Digitalisierung ein? Was sind bislang die größten Erfolge? Und wie sehen die Herausforderungen aus?

Ingeborg Esser: Das Beispiel aus der Schifffahrt nehme ich gerne auf. Die Unternehmen der Wohnungswirtschaft sind wie schwere Tanker. Das sind keine Schnellboote. Das ist erst einmal sehr positiv, weil diese Tanker natürlich nicht so leicht ins Trudeln kommen, sondern stabil ihren Weg fahren. Aber sie sind für moderne, digitale, agile Lösungen auch nicht so gut aufgestellt. Sie sind nicht so wendig, so schnell.

Die Pandemie hat gerade bei denen, die sich bisher wegducken wollten, den Blick nun dafür geschärft, dass an dem Thema Digitalisierung kein Weg vorbeiführt und dass sich diese Unternehmen auf den Weg begeben müssen. Da sehe ich vor allem zwei Bereiche.

Einmal natürlich den gesamten Bereich der eigentlichen Prozesse im Unternehmen, die stärker digitalisiert werden müssen. Hier sind unsere Unternehmen zum Teil auch schon ziemlich weit. Natürlich auch in Abhängigkeit zur Größe. Die Kleinen laufen immer ein bisschen hinterher, die Großen sind die Frontrunner, aber so muss das ja auch sein. Die Großen machen die Erfahrungen, die haben natürlich auch viel mehr Testmöglichkeiten. Wenn die sich mal verlaufen, dann ist das auch nicht so dramatisch.

Bei den Prozessen sind wir also relativ gut dabei, denke ich. Vor allem bei unserem Kernprozess, der Vermietung, werden wir immer besser. Das schließt natürlich auch die Bewirtschaftung und die Instandhaltung mit ein.

Wo wir noch weit hinten liegen – und das ist der zweite Bereich – das ist die Gebäude-Komponente, die Gebäudeautomatisierung, also die Digitalisierung der Gebäude an sich.

Nölling: Teilen Ihre Mitgliedsunternehmen diese Einschätzung?

Vor drei Jahren haben wir eine Umfrage zum Stand der Digitalisierung unter unseren Mitgliedsunternehmen durchgeführt. Wir haben dabei erfragt, wo die Schwerpunkte gesehen werden. Das war für mich beeindruckend, dass ein übergroßer Anteil überhaupt gar keinen Bedarf für Gebäudedigitalisierung sah. Und da habe ich damals schon gesagt: Das ist schlichtweg eine Fehlinterpretation! Ich glaube, da haben wir noch Aufholbedarf. Aber da tut sich jetzt auch etwas.

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