AAL Ambiented Assist Living Smart Home für Senioren

Der demografische Wandel kommt: Ambient Assisted Living die Türen öffnen

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Der Wunsch nach Selbstbestimmung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Auch im Alter besteht dieser Wunsch. Häufig ist dann aber ein größeres Maß an Unterstützung im Alltag gefordert. Mit Technologien unterschiedlicher Art, die sich unter dem Begriff Ambient Assisted Living sammeln, kurz AAL, ermöglichen Wohnungsunternehmen ihren Bewohnern ein eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • AAL bietet smarte Technologien für ein altersgerechtes Leben in den eigenen vier Wänden
  • Selbstständigkeit für ältere und körperlich eingeschränkte Personen
  • Die Innovationen sind da, die Finanzierung und Akzeptanz hängen zurück
  • Der demografische Wandel macht ein Umdenken in Richtung AAL unausweichlich
  • Weniger Fluktuation unter Mietern der Wohnungsunternehmen mit AAL-Lösungen
  • Hausnotruf, elektronisches Türzugangssystem und Technik mit Erinnerungsfunktion – für jedes Problem eine Lösung

Was ist Ambient Assisted Living?

Unter dem Begriff Ambient Assisted Living oder kurz AAL werden Dienstleistungen und Produkte zusammengefasst, die Menschen solange wie möglich das Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Es handelt sich demnach um sogenannte altersgerechte Assistenzsysteme. Darunter fallen beispielweise Technologien zur Notrufauslösung, Beleuchtung oder intelligente Türzugangssysteme. Mit ihrer Hilfe können Menschen, die Unterstützung benötigen, deutlich länger in ihrem eigenen Zuhause wohnen bleiben, anstatt in eine Seniorenresidenz umzuziehen.

 

In erster Linie sind ältere Personen und Menschen mit Behinderung von der Thematik betroffen. Mittlerweile ermöglichen smarte Technologien zunehmend Eigenständigkeit bis ins hohe Alter.

Marktentwicklung in Sachen AAL

Smart Home Technologien, die den Alltag leichter erlebbar machen, sind bei Weitem keine neue Sache. Im Bereich Smart Home hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Viele Innovationen werden bereits wie selbstverständlich genutzt. Dazu gehören beispielsweise die Sprachsteuerung unterschiedlicher Geräte, vernetzte Rauchmelder und intelligente Stromzähler. Viele kleine Helferlein auf dem Smartphone sind nicht mehr wegzudenken.

 

Im Bereich Pflege und Alltagsmanagement im Alter sind technische Lösungen allerdings noch seltener zu finden. Der Einzug in den Haushalt von Senioren scheitert meist an Installation und Bedienung. Die Scheu davor, der neuen Technik als Nutzer nicht Herr werden zu können, hält viele von dem Versuch ab.

 

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Wer trägt die Kosten?

Doch der Einsatz von AAL-Technologien wird nicht bloß von zurückhaltenden Nutzern gebremst. Insbesondere stellt die Finanzierung eine große Schwierigkeit dar. Die Anschaffungskosten sind oft hoch. Unter bestimmten Bedingungen gibt es aber Unterstützung. Ist eine Pflegestufe anerkannt, gibt es aber auch Fördermöglichkeiten. Im Rahmen der Bezuschussung sogenannter Wohnumfeld verbessernder Maßnahmen übernehmen die Pflegekassen bis zu 4000€ der Kosten. Darunter fällt beispielsweise der Einbau eines Treppenlifts. Wurde die Pflegestufe bzw. der –grad bereits anerkannt, wird Interessierten demnach finanziell unter die Arme gegriffen. Im Vorstadium, in dem technische Unterstützung Betroffener allerdings bereits sinnvoll wäre, müssen Kosten selbst getragen werden.

AAL im Alltag

Manche Technologien schaffen es aber dennoch in den Haushalt einiger Senioren. Ein Blick in den tatsächlichen Alltag, in dem Ambient Assisted Living Lösungen im Einsatz sind, vermittelt einen guten Eindruck über die Möglichkeiten.

Hilfe auf Knopfdruck

Populär wurde beispielsweise der Hausnotrufknopf. Er dient der Benachrichtigung von Rettungsdienst oder Angehörigen, sollte dem Besitzer etwas zustoßen. Das Gerät wird in der Seniorenwohnung ans Stromnetz angeschlossen und kann ebenfalls mit einem zugehörigen Armband gekoppelt werden. Trägt der Nutzer dieses am Handgelenk und aktiviert nach einem Sturz den Knopf, wird ein Alarm bei den gekoppelten Stellen ausgelöst. Es kann auch der Standort übermittelt werden.

 

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit ist das obligatorische Anmelden am Morgen. Hat der Besitzer bis zu einer bestimmten Uhrzeit nicht die entsprechende Taste gedrückt, setzt sich ein Verantwortlicher mit ihm in Verbindung und sieht nach dem rechten.

Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Smart Home auf den demografischen Wandel vorbereiten kann.

Sicherer Zugang für Nutzer und Pflegekräfte

Assistenzsysteme müssen nicht erst im akuten Notfall zum Einsatz kommen. Insbesondere im Alter werden alltägliche Hindernisse schnell lästig und mindern die Lebensqualität. Einer dieser Übeltäter ist der Metallschlüssel. Er gehört zwar wie selbstverständlich zum Zuhause dazu, aber niemand ärgert sich gern mit einem verlorenen oder verlegtem Schlüssel herum. Für körperlich eingeschränkte Menschen wird das Türaufschließen außerdem rasch zur harten Prüfung. Gehstock, Rollator und Einkaufstaschen erschweren die Suche nach dem Schlüssel und lassen ältere Menschen bei Wind und Wetter vor der Tür stehen.

 

Abhilfe schafft ein elektronisches Schließsystem. Damit wird das Schlüsselproblem aus der Welt geschafft. Im handsfree-Modus entriegelt die Tür sogar vollkommen berührungslos. Trägt der Nutzer zum Beispiel einen registrierten Transponder am Körper und begibt sich in Reichweite des Sensors an der Haustür, muss er diese lediglich aufdrücken oder die Tür geht sogar von alleine auf. Kein Kramen mehr nach dem Schlüssel. Sicherer wird das eigene Heim damit auch noch. Verliert jemand seinen Transponder, kann dieser in Echtzeit aus der Ferne deaktiviert werden und ist für Finder oder Dieb somit unbrauchbar.

Auch für Pflegepersonal eröffnet ein intelligentes Schließsystem neue Möglichkeiten. Es müssen keine Schlüsselkopien mehr verteilt werden. Stattdessen bekommt ein Pfleger seine Zutrittsberechtigung entsprechend der notwendigen Tage und Tageszeiten zugeteilt. Über eine App auf seinem Smartphone kann er somit ins Haus gelangen. Senioren müssen sich dadurch keine Sorgen um nachgemachte Schlüssel machen und Mitarbeiter tragen kein Risiko mehr in der Tasche.

 

Auch die zentrale Vergabestelle des Pflegepersonals kann in ihrer Administrationsarbeit von einem elektronischen Schließsystem profitieren. Die Türzugangslösung KIWI beispielsweise bietet eine offene API-Schnittstelle an, die die Integration der KIWI Funktionen in bereits bestehende Softwares unkompliziert ermöglicht. Das bedeutet, dass die Vergabe von Zutrittsrechten anstelle von Schlüsselkopien automatisch über das gewohnte Verwaltungssystem abläuft. So bekäme der Mitarbeiter direkt das passende Zutrittsrecht für seinen Auftrag.

 

Da Zutrittsrechte in Echtzeit vergeben werden, verliert man auch im Notfall keine Zeit mehr mit Schlüsselübergaben – auch Schlüsselwagen sind hier überflüssig.

Stolperfallen aus dem Weg gehen

Schnell ist es passiert: Einmal nicht richtig aufgepasst und schon ist man gestürzt. Unter Umständen kein Problem, wenn man sich schnell wieder aufrappeln kann. Aber gerade für ältere Menschen kann ein Sturz schwere Folgen haben und letztlich sogar die Selbstständigkeit kosten.

 

Daher greifen die Hersteller von Smart Home Beleuchtungssystemen auf bereits bewährte Lösungen zurück. Was in öffentlichen Verkehrsmitteln und Flugzeugen funktioniert, klappt auch für Zuhause: reflektierende Raumbegrenzungen. Sei es die kleine Stufe zum Badezimmer oder der niedrige Türrahmen. Im Dunkeln wird vieles schnell zur Gefahr. Außerdem gibt es spezielle Systeme, die Bereiche großflächig ausleuchten, um täuschende Schatten zu vermeiden, ohne zu blenden.

Nicht vergessen!

Der Körper ist noch fit, doch das Gedächtnis lässt langsam nach. So schleichen sich verschiedene Unsicherheiten in den Alltag ein. Dank kleiner Hilfsmittel können diese allerdings aus der Welt geschafft werden. Smart Systeme überwachen beispielsweise, ob Herd und Licht ausgeschaltet sind. Außerdem lässt sich die richtige Einnahme in Tablettenspender eingeben, die zur richtigen Tageszeit die korrekte Anzahl der Medikamente freigeben und an deren Einnahme erinnern. Wird es mit dem Gedächtnis durch Erkrankungen wie Demenz dann doch kritisch und es kommt vermehrt zu Verwirrung im Alltag, können Angehörige sich mittels Videosystemen nach dem Zustand ihrer Lieben erkundigen.

Blick in die Zukunft

Die Notwendigkeit nach Smart Home Technologien im Bereich AAL orientiert sich allerdings nicht nur an dem individuellen Wunsch nach Selbstbestimmung im Alter. Aufgrund des demografischen Wandels wird ein Umdenken in der Altersversorgung unausweichlich. Die sinkende Geburtenrate sorgt in Deutschland für eine stetig älter werdende Gesellschaft. Hinzukommt, dass durch bessere medizinische Versorgung, Menschen immer länger körperlich und psychisch fit bleiben. Im Jahr 2060 wird voraussichtlich jeder dritte Deutsche 65 Jahre alt oder älter sein.

 

Die derzeitige Pflegestruktur wird auf Dauer mit dieser Entwicklung allerdings überfordert sein. Ein Umschwenken der bisherigen, gängigen Praxis ist zwingend notwendig. Statt dem Umzug ins Seniorenheim sollten ältere Menschen gezielt durch Technologien zu Hause unterstützt werden. AAL soll insbesondere im Alltag unterstützen und die Folgen des demografischen Wandels abfangen.

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Smart Home Musterlösungen der Wohnungswirtschaft

Wohnungsunternehmen können mittels AAL-Technologien ihren Mietern den Alltag enorm erleichtern. Insbesondere für ältere Bewohner können die Maßnahmen viele Sorgen abwenden. Greifen Wohnungsunternehmen zu Ambient Assisted Living Systemen, können Senioren länger in ihren Wohnungen leben bleiben. Dadurch reduziert sich insbesondere die Mieterfluktuation. Stabilität in sozialen Gefügen trägt zur Mieterzufriedenheit bei. Abgesehen davon ist AAL eine Strategie für Wohnungsunternehmen, mit dem demografischen Wandel auch wirtschaftsorientiert umzugehen. Eine große Zahl an Mietern wird sich in weniger als 50 Jahren im Rentenalter befinden.

 

Die große Bedeutung von AAL für die Wohnungswirtschaft zeigte sich auch auf dem Tag der Immobilienwirtschaft 2018. Als „Köpfe der Immobilienwirtschaft“ wurden unter anderen Helene Böhm und Frank Druska vom Referat Soziale Quartiersentwicklung der Gesobau AG ausgezeichnet. Das Berliner Wohnungsunternehmen setzt sich gemeinsam mit der AOK für die Identifizierung relevanter Techniken für einen altersgerechten Alltag ein. Das Vorreiterprojekt nennt sich „[email protected]“. Gemeinsam mit älteren und teilweise pflegebedürftigen Mietern arbeitet die Gesobau AG an Optimierungen der Wohnsituation. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden in 30 Haushalten sowie der Musterwohnung im Märkischen Viertel in Berlin getestet und vorgestellt.

Es muss sich etwas bewegen – mit Technik

Abschließend bleibt zu sagen: an Innovationen und Technologien mangelt es nicht im Bereich Ambient Assisted Living. Die Finanzierungsmöglichkeiten hängen allerdings hinter der Innovationskraft des Marktes zurück. Vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel in Deutschland besteht also noch Handlungspotenzial. Eine weitere Herausforderung ist die Akzeptanz beim Endkunden für technikunterstützte Versorgung im Alltag. Auf wenig technikaffine Menschen wirken zu komplexe Systeme schnell überfordernd. Kundenorientierte Gestaltung steht also im Fokus.

 

Für die zahlreichen positiven Effekte, die AAL in der sich wandelnden Gesellschaft bewirken kann, lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Das Grundbedürfnis nach der Erhaltung der Selbstständigkeit bis ins hohe Alter kann mittels AAL gestillt werden. Schon kleine Helfer erleichtern das alltägliche Leben und räumen Schwierigkeiten wie die regelmäßige Einnahme wichtiger Medikamente aus dem Weg. Somit gewährleistet AAL auch die Sicherheit betroffener Personen und nimmt Angehörigen einige Sorgen ab.

 

Mit Blick in die deutsche Zukunft ist ein Umdenken letztlich unausweichlich. AAL bietet eine sinnvolle Alternative zum bisherigen Versorgungssystem, das auf Dauer die Bedürfnisse der alternden Gesellschaft nicht wird tragen können. Technische Assistenzsysteme für einen altersgerechten Alltag bilden eine Brücke und erhalten Lebensqualität.

 

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Julia Rubin

Julia Rubin verantwortet Marketing und Kommunikation bei KIWI. In der Immobilienwelt ist sie durch ihre vorherige Tätigkeit bei BSR Tochter Berlin Recycling schon lange zuhause. Sie kennt die besten Veranstaltungen und spannendsten Artikel zum Thema PropTech, Smart Home und Digitalisierung und berichtet über interne KIWI News.

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